
Auf Linie gedreht
Wie Hamburg zu Rostock wird – und umgekehrt
Was haben Hamburg und Rostock gemeinsam? Auf den ersten Blick: zwei bedeutende deutsche Hanse- und Hafenstädte mit beeindruckender Backsteingotik. Auf den zweiten Blick: noch deutlich mehr. In einer der erfolgreichsten deutschen Krimireihen verschmelzen beide Städte.
Team Rostock ermittelt
Und zwar: im Polizeiruf 110. Die Serie, die in diesem Jahr ihr 55-jähriges Bestehen feiert, wurde als Gegenstück zum westdeutschen Tatort entwickelt – und schnell zum Kultformat. Nach der Wende fand die Serie ihren festen Platz im gesamtdeutschen TV-Programm. Heute ist der Polizeiruf 110 zwar nach wie vor erzählerisch im Osten Deutschlands verankert, gedreht wird aber auch anderswo.
Seit 2010 ermittelt das Team in Rostock – doch ein Teil der Szenen entsteht regelmäßig in Hamburg. Für die Lösung der Rostocker Kriminalfälle ist Anneke Kim Sarnau als Kriminalhauptkommissarin Katrin König verantwortlich. Zunächst fahndete sie gemeinsam mit Charly Hübner (Alexander „Sascha“ Bukow) nach den Tätern, 2022 übernahm Lina Beckmann als Melly Böwe die Rolle der zweiten Ermittlerin im Team. Ihnen zur Seite stehen seit Beginn die Kollegen Röder, Pöschel und Thiesler.
Über 30 Episoden des Rostocker Polizeirufs wurden bislang im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks ausgestrahlt, zuletzt im vergangenen Jahr die Folgen „Böse geboren“ und „Tu es“.

Dreh zu "Böse geboren": das Ermittlerteam im Rostocker Polizeipräsidium - in Hamburg
Foto: © NDR/Michael Ihle
Rostock ist Hamburg …
Aus produktionstechnischen Gründen werden regelmäßig auch Szenen in Hamburg gedreht: Straßenzüge der Elbmetropole werden im Film kurzerhand zu Rostocker Straßen, Aufnahmen aus dem Umland von Seevetal im Landkreis Harburg nach Mecklenburg-Vorpommern verlegt. Für die Folge „Böse geboren“ hauchte das Produktionsteam 2023 sogar dem aufgegebenen Klinikum Wedel mörderisches Leben ein.
Auch der Drehort des Reviers befindet sich fast 200 Kilometer von seinem erzählten Standort entfernt: In Hamburg-Hamm dienten häufig der Droopweg und der Borstelmannsweg als Außenkulisse für die Rostocker Polizeiwache, die Innenräume des Kommissariats werden zumeist im Studio aufgebaut.
… und bleibt doch Rostock
Trotzdem bleiben die Drehs in der titelgebenden Stadt und Umgebung das Herzstück der Reihe. Die Rostocker erkennen ihre Stadt in Szenen am Stadthafen, am Alten Strom und am Warnowstrand in Warnemünde, in der Altstadt und den markanten Plattenbauten in Stadtteilen wie Dierkow und Evershagen.
Die zuletzt abgedrehten Folgen des Polizeirufs 110 Rostock rücken vermehrt die Küstenregion in den Fokus: „Schwarzer Sommer“ spielt unter anderem in Heiligendamm, zentraler Drehort war das dortige Grand Hotel. Parallel entstand 2025 die Episode „Gespensterwald“, in der die Kommissarinnen bei einem Mordanschlag verletzt werden und verzweifelt nach der zweijährigen Leni suchen, die in der Nacht des Anschlags verschwand.
Schon 2021 waren die mystische Atmosphäre des Gespensterwalds Nienhagen (vgl. S. 93) und der Strand des Ostseebads Schauplatz der Folge „Sabine“. Neugierige müssen sich allerdings noch etwas gedulden: Im Fernsehen werden die neuen Fälle voraussichtlich erst im Herbst 2027 zu sehen sein.
2025 gedreht, 2027 im TV: neue Fälle für König und Böwe
Foto: © NDR/Boris Laewen
BLICKWECHSEL
Der Sonntag gehört dem Krimi
Der Sonntagskrimi ist seit Jahrzehnten eine Institution im deutschen Fernsehen. Daran hat sich auch im Zeitalter von Streaming-Diensten und Fernsehen on Demand nichts geändert.
1970 wurde der erste Tatort ausgestrahlt, mehr als 1.200 Folgen gibt es bisher. Der Tatort ist damit die älteste Krimireihe im deutschsprachigen Raum und versammelt im Schnitt noch immer über acht Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen.
Absoluter Publikumsliebling ist aktuell der Tatort aus Münster. Wenn Thiel (Axel Prahl) und Börne (Jan Josef Liefers) auf Verbrecherjagd gehen, sehen regelmäßig mehr als 10 Millionen Menschen zu. Die Folge „Die Erfindung des Rades“ erzielte im Dezember 2025 einen Marktanteil von 42,6 Prozent. Die Rekordquote übertraf alle bisherigen Werte des Münsteraner Ermittlerduos.
Der Polizeiruf 110 gilt oft als kleiner Bruder des großen Tatorts, wird seltener ausgestrahlt, erreicht im Durchschnitt aber auch zwischen sieben und acht Millionen Zuschauer – zur Primetime.
TITELFOTO: © NDR/Christine Schroeder | BILDLEGENDE: Ermitteln im Rostocker Polizeiruf 110: Melly Böwe (Lina Beckmann, links) und Katrin König (Anneke Kim Samau, rechts)















