
Immer der Linie nach
Auf Zwei-Länder-Tour an der Ostseeküste
Wenn die „deutsche Karibik“ ruft, sollte man dem Ruf folgen. Eine Tour auf zwei Rädern führt durch die wohl abwechslungsreichste Küstenlandschaft Deutschlands – von Flensburg bis nach Usedom.
1.100 Kilometer Meer und mehr
Auf dem Ostseeküsten-Radweg präsentiert sich der Norden Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns von seiner schönsten Seite. Von West nach Ost (ein Vorteil: mehr Rückenwind) oder lieber andersherum? Der deutsche Teil des Fernradwegs bietet rund 1.100 Kilometer Erlebnis entlang der Küstenlinie.
Flensburg: Start an der Förde
Klassischerweise liegt der Startpunkt im hohen Norden Schleswig-Holsteins nahe der dänischen Grenze: Flensburgs historischer Hafen und die Altstadt sind unbedingt einen Bummel wert, bevor es per Rad entlang der Förde über das märchenhafte Wasserschloss Glücksburg, Kappeln (hier befindet sich der letzte noch funktionstüchtige Heringszaun Europas) und Eckernförde in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt geht.

Lädt zu maritimen Entdeckungstouren: der Flensburger Hafen
Foto: © Daniela Baumann / stock.adobe.com
Kiel: Stadttouren mit und ohne Rad
Als lebendige Hafenstadt vereint Kiel maritime Historie und urbanes Flair. Radreisende sind hier gern gesehen: Kiel gilt als die fahrradfreundlichste Stadt in Schleswig-Holstein und baut sein Veloroutennetz seit Jahren kontinuierlich aus.
Auch ein Abstieg vom Rad lohnt sich – zum Flanieren entlang der Kiellinie, für eine chillige Pause am Holstenfleet mit seinen großzügigen Flächen, Sitzgelegenheiten und Wasserbecken inmitten der Innenstadt oder einen Besuch der zahlreichen Kultureinrichtungen der „Sailing.City“.
Fehmarn: Sonnentage satt
Ab Kiel werden die eher geschützten Gebiete der Buchten und Förden durch lange Sandstrände abgelöst. Auf dem Deichweg geht es durch Kalifornien und Brasilien zum „Hawaii des Nordens“. Klangvolle Namen sind auf dieser Etappe Programm, doch gehören dieses Kalifornien und dieses Brasilien zur Gemeinde Schönberg, und Hawaii entpuppt sich als die beliebte Urlaubsinsel Fehmarn – die dank rund 2.200 Sonnenstunden im Jahr auch den Beinamen „Sonneninsel“ trägt.
Die circa 70 Kilometer lange Inselumrundung startet und endet an der Fehmarnsundbrücke, von den Einheimischen aufgrund ihres charakteristischen Stahlbogens liebevoll „Kleiderbügel“ genannt, und führt entlang der Küste unter anderem durch das Naturschutzgebiet Grüner Brink im Norden der Insel.

Verbindet Fehmarn mit dem Festland: die 963 Meter lange Fehmarnsundbrücke
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Lübecker Bucht: Strandtag gefällig?
Zurück auf dem Festland wechselt die Route zwischen Hinterland und Abschnitten an der Küste. In der bei Urlaubern wie Tagesausflüglern beliebten Lübecker Bucht laden traditionsreiche Ostseebäder wie Dahme, Grömitz, Timmendorfer Strand oder Travemünde mit ihren belebten Promenaden und langen Sandstränden zu entspannten (Bade-)pausen.

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Lübeck: Meeresluft mit Marzipanduft
In Lübeck wird es wieder städtisch – und historisch: Die Geschichte der einstigen „Königin der Hanse“ lässt sich bis 700 nach Christus zurückverfolgen, das Holstentor als Wahrzeichen ist ebenso weltbekannt wie die markante Silhouette mit den sieben Kirchtürmen. Die Altstadtinsel gehört seit 1987 gar zum UNESCO-Welterbe.
Ein Besuch im Marzipanmuseum darf bei einem Abstecher in den ehemaligen Stadtstaat ebenso wenig fehlen wie eine Tour durch den Museumshafen am Ufer der Trave, in dem sich historische Frachtsegler, Fischereischiffe und Schlepper aneinanderreihen.
Warnemünde: Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern
Nach rund 450 Kilometern durch Schleswig-Holstein folgt nun der zweite Abschnitt des Ostseeküsten-Radwegs für ungefähr 670 Kilometer der Küstenlinie Mecklenburg-Vorpommerns. Über Wismar, früher ebenfalls Hansestadt und mit der Altstadt Teil des UNESCO-Welterbes, Kühlungsborn und den ältesten Seebadeort Deutschlands, Heiligendamm, geht es entlang weiter Sandstrände und einer eindrucksvollen Steilküste nach Warnemünde.
Das zu Rostock gehörende Seebad verfügt mit 100 bis 150 Metern über den breitesten Sandstrand der deutschen Ostseeküste, einen der wichtigsten und größten deutschen Kreuzfahrthäfen – und gilt als Geburtsort des Strandkorbs. Hier stellte der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann im Jahr 1882 den ersten „Strandstuhl“ für eine rheumakranke Kundin her, im Jahr darauf eröffnete die erste Strandkorbvermietung ebenfalls in Warnemünde.
Vorpommersche Boddenlandschaft: Lagunen und Kraniche
Ein Ausflug in die Innenstadt von Rostock bietet sich an, bevor die Radroute weiter am Meer entlang zunächst in das Künstlerdorf Ahrenshoop auf der schmalen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst führt.
Auf dieser Etappe des Radwegs entfaltet die vorpommersche Boddenlandschaft ihren besonderen Reiz. Benannt ist sie nach den flachen, lagunenartigen Gewässern, die von der Ostsee durch Inseln und Halbinseln (wie Fischland-Darß-Zingst) getrennt und nur durch schmale Rinnen mit dem offenen Meer verbunden sind. Und nicht nur die Landschaft ist einzigartig. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft zählt zu den bedeutendsten Rastgebieten für Kraniche und wird jährlich ab September zum Schauplatz eines besonderen Naturschauspiels: Bis zu 70.000 Kraniche bleiben für mehrere Wochen in der Umgebung.

Bieten einen großartigen Anblick:
der Zug und die Rast der Kraniche in der Vorpommerschen Boddenlandschaft
Foto: © Karl / stock.adobe.com
Stralsund: Tor zu Rügen und mee(h)r
Mit Stralsund erreicht der Ostseeküstenradweg eine weitere historische Hansestadt, deren Altstadt 2002 gemeinsam mit Wismar in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde.
Weitaus moderner präsentiert sich das nahegelegene OZEANUM auf der Hafeninsel der Stadt. Das Meeresmuseum bietet wahrhaft tiefe Einblicke in die faszinierende Unterwasserwelt der nördlichen Meere. Wer lieber über Wasser bleiben möchte, kann unter anderem die Außenbereiche des 1933 vom Stapel gelaufenen Segelschulschiffs Gorch Fock I besichtigen.
Als „Tor zu Rügen“ liegt die Stadt direkt an der Meerenge Strelasund und verbindet das Festland mit der Insel. Radreisende nutzen für einen Abstecher auf das flächenmäßig größte Eiland Deutschlands den Rügendamm oder die Fähre. Ob kurzer Ausflug oder große Inselumrundung – die Vielfalt Rügens mit den berühmten Kreidefelsen, Kap Arkona, langen Sandstränden und historischen Seebädern beeindruckt allemal.

Die Vielfalt der Meere hautnah: fesselnde Unterwasseransichten im OZEANUM Stralsund
Foto: © Uli Kunz/Deutsches Meersmuseum
Usedom: Insel der Seebrücken
Zurück auf dem Festland führt die letzte Etappe des Ostseeküsten-Radwegs auf deutschem Boden über die Geburtsstadt des Malers Caspar David Friedrich, Greifswald, entlang des sich anschließenden Greifswalder Boddens bis nach Usedom. 40 Kilometer Küstenlinie und 200 Kilometer ausgebautes Radwegenetz laden zum Erkunden der Königsbäder Bansin, Heringsdorf (mit der zweitlängsten Seebrücke Kontinentaleuropas) und Ahlbeck (mit der ältesten Seebrücke Deutschlands) genauso ein wie zum entspannten Radeln durch das ursprüngliche Achterland der Insel.
Das Meer als ständiger Begleiter
Flensburg, Kiel, Fehmarn, Lübeck, Warnemünde, Stralsund, Rügen, Usedom – schon die Etappenziele des Ostseeküsten-Radwegs lesen sich wie das Who is who der Urlaubsparadiese an der Ostsee.

Foto: © Usedom Tourismus GmbH
Trotz seiner Länge gehört er zu den eher gemütlichen Touren mit wenig Steigungen, wobei die frische Meeresbrise auch einmal etwas kräftiger ausfallen kann. Küsten, Strände, traditionsreiche Fischerdörfer und Hansestädte – oft direkt am Wasser, manchmal auch ein Stück landeinwärts, präsentiert sich auf dieser Tour der Norden Genussradlern wie Aktivurlaubern in all seinen Facetten.
Noch nicht genug Ostsee getankt? Der dritte Teil des Ostseeküsten-Radwegs führt entlang der polnischen Ostseeküste bis in die Hafenstadt Gdańsk (Danzig).
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