
Drei Weltmeere, eine LINIE - Lebenswasser aus Norwegen
1805 begab sich ein Aquavit aus Norwegen auf Reisen – und sollte der Begründer einer einzigartigen Tradition in der Welt der Spirituosen werden.
Nordish by History
Schon im 15. Jahrhundert destillierten die Skandinavier eine Spirituose aus Kartoffeln oder Getreide, die mit Kräutern wie Kümmel, Dill oder Fenchel aromatisiert wurde. Die erste schriftliche Erwähnung 1531 preist den Aquavit als „Heilmittel für alle Beschwerden innerhalb und außerhalb.“
Schnell entwickelte sich die „Arznei“, deren Name aus dem lateinischen Begriff Aqua Vitae (Wasser des Lebens) abgeleitet wurde, zum beliebten Genussmittel mit unterschiedlichen Destillationsmethoden und Geschmacksprofilen – gemein ist ihnen die prägnante Kümmelnote.
Das Geheimnis der Linie
Norwegische Aquavite basieren in der Regel auf einem Kartoffeldestillat, so auch schon derjenige, den die Handelsfamilie Lysholm 1805 von Oslo nach Ostindien verschiffte. Abnehmer fanden sich dort zwar nicht, bei seiner Rückkehr nach Norwegen hatte sich der Geschmack des Aquavits der Legende nach jedoch deutlich verändert, er war milder und vollmundiger. Fortan wurde die Seereise zum festen Bestandteil des Reifeprozesses. Und zum Namensgeber: Der LINIE Aquavit verdankt seine Bezeichnung der (zweimaligen) Überquerung der Äquator-Linie.
Auf Reifereise um die Welt …
Heute wird der weltweit bekannte Lysholm LINIE Aquavit von der Brennerei Arcus AS nahe Oslo in Hagan destilliert – nach der traditionellen Rezeptur kartoffelbasiert und mit Kümmel als Hauptzutat der geheimen Mischung nordischer Kräuter und Gewürze, mit der der Branntwein anschließend aromatisiert wird.
In Eichenfässern, in denen zuvor Sherry reifte, schicken die Brenner ihren Aquavit nach einjähriger Reifezeit an Land für vier Monate auf See. Während das Schiff zweimal den Äquator überquert, sind die Fässer auf den wogenden Wellen ständig in Bewegung, der salzhaltigen Meeresluft und Temperaturen von tropisch bis eisig ausgesetzt. Diesen Bedingungen soll der LINIE Aquavit seinen ausgewogenen Geschmack verdanken.
… wirklich bis heute?
Betreibt man heute tatsächlich noch diesen Aufwand – oder ist die Äquatorreife nur ein Marketinggag? Mitnichten: Jeder Flasche wird eine individuelle Losnummer zugeteilt. Der Rückseite des Flaschenetiketts können die Kunden die Daten der Verschiffung sowie den Namen des Schiffes entnehmen, auf dem „ihre“ LINIE den Äquator überquert hat. 2018 ging die Brennerei noch einen Schritt weiter: Per Livestream konnten Skeptiker die Fässer an Bord des Frachters Tamesis rund um die Uhr verfolgen – 2.800 Stunden lang, durch 11 Länder und zweimal über den Äquator.
Skandinavien im Glas
Ob mit oder ohne Seereise – in den skandinavischen Ländern ist Aquavit seit jeher der Kultschnaps schlechthin. Hier hat er als wesentlicher Bestandteil der Trinkkultur bei traditionellen Festen und Zusammenkünften seinen festen Platz. Während die Schweden und Dänen ihn allerdings – wie auch die meisten Deutschen – am liebsten eisgekühlt genießen, serviert man (nicht nur) den LINIE Aquavit in Norwegen bei Zimmertemperatur.
Doch nicht nur pur spielt der Traditionalist, der in Deutschland lange Zeit nahezu ausschließlich als Digestif nach einem deftigen Essen bekannt war, seine Stärken aus. Längst ist „die LINIE“ in der modernen Bar-Szene angekommen – und mit ihrem charakteristisch nordischen Aromenprofil beliebte Basiszutat für Cocktails und Longdrinks. Schon einmal eine leichte Spritz-Variante probiert?

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