
Erfrüschung aus Lübz - Bastian Pochstein im Interview
Lübz ist die „Stadt der Sterne“: Rund 5.000 Sterne strahlen am künstlichen Himmel des Lübzer Planetariums. Noch bekannter jedoch ist die Brautradition der Kleinstadt. Die ESSPERTISE sprach mit Bastian Pochstein, dem Geschäftsführer der Mecklenburgischen Brauerei Lübz GmbH.
Foto: © Carlsberg Deutschland GmbH
Herr Pochstein, was zeichnet Lübzer aus – in drei Worten?
Ehrlich, bodenständig, natürlich – so wie auch die Menschen hier sind.
Werte, die sich seit fast 150 Jahren bewähren. 1877 gründete August Krüger in Lübz die Brauerei, in deren Tradition Sie heute stehen. Planen Sie schon für das Jubiläum im kommenden Jahr?
Ja, wir werden das besondere Jubiläum feiern. Was ich hier schon anteasern kann, ist, dass wir wohl die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern auf unserem Brauereigelände begrüßen dürfen. Die Reihe „Unerhörte Orte“ der Festspiele bringt klassische Musik an ungewöhnliche Spielstätten – und 2027 eben auch zu uns.
Auch für das jährliche Lübzer Turmvergnügen, bei dem wir schon seit langem Kooperationspartner sind, planen wir im Jubiläumsjahr Besonderes. Kurz: Wir haben vieles in Arbeit.
Und das, obwohl der Bierabsatz markenunabhängig weiterhin rückläufig ist. Sie selbst haben bereits vor Jahren darauf hingewiesen, dass sich die Entwicklung, nach der die Deutschen immer weniger Bier trinken, fortsetzen wird.
Tatsächlich war das absehbar, als Brauer möchte man es aber natürlich nicht so recht wahrhaben. Dennoch: Für die Mecklenburgische Brauerei Lübz können wir glücklicherweise über die letzten zehn Jahre eine positive Entwicklung mit einem Absatz-Plus von rund 20 Prozent verzeichnen.
Woran liegt das?
Lübzer hat sich im Markt immer mit guten Ideen und offen für Neues präsentiert. Wir haben unsere Produktlinie frühzeitig und erfolgreich um unsere Naturradler und alkoholfreie Varianten ergänzt – seit 2022 setzen wir in diesem Bereich voll auf 0,0 %. Auch das Lübzer Küsten Hell, das wir vor zwei Jahren auf den Markt gebracht haben, hat sich als mildes, regionales Hellbier etabliert.
Was uns sicher außerdem zugute kommt, ist unsere Lage in einer der beliebtesten Urlaubsregionen Deutschlands mit nationalen und internationalen Gästen. So gestaltet sich das Geschäft im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern recht stabil.
Und: Wer Lübzer hier vor Ort probiert, trinkt es oft auch nach dem Urlaub gerne weiter. Besonders Urlauber aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg bIeiben uns treu. Im Handel verkaufen wir mehr Lübzer südlich von Berlin als nördlich und gehören damit, was die Marktanteile angeht, zu den Top-3-Biermarken Ostdeutschlands.
Und wie sieht es in der Gastronomie aus?
Da sind wir hier im Osten klarer und stolzer Marktführer – in einigen Regionen mit bis zu 40 Prozent.
Planen Sie, den nationalen Markt zu erobern?
Ich sage leicht augenzwinkernd mal so: Wir würden uns der Nachfrage nicht verschließen. Aber ganz klar bestimmt unsere Herkunft aus dem Herzen Mecklenburg-Vorpommerns unsere Corporate Identity.
Sicher „funktionieren“ unsere Artikel mittlerweile auch in Westdeutschland. Da gibt es unter dem Dach von Carlsberg Deutschland aber noch andere tolle Marken, wie etwa Astra und Holsten, die diesen Markt eher bespielen. Der Fokus von Lübzer liegt im Osten Deutschlands.
Dann zurück in die Region. Aktuell investieren Sie in eine neue Lagerhalle in Lübz, im vergangenen Jahr konnten Sie Richtfest feiern.
Wir vergrößern unsere Lagerfläche hier am Standort um das Dreifache und machen damit gleich auf mehrfache Weise einen Riesensprung in die Zukunft.
Zum einen zahlt die neue Halle auf unsere Nachhaltigkeitsbemühungen ein, indem wir die Zahl interner Transporte von einem Standort zum anderen drastisch verringern – wir sprechen hier von circa 2.000 LKW-Touren weniger pro Jahr. Zusätzlich zum CO2-Ausstoß sparen wir so natürlich auch erhebliche Logistikkosten ein, entzerren die Abläufe hier vor Ort und machen sie sicherer.
Hinzu kommt, dass sich mit 36.000 Palettenstellplätzen die hohe Saisonkurve besser abfedern lässt, indem wir für die Hochzeiten vorproduzieren und entsprechende Mengen „auf Lager“ halten können.
Und nicht zuletzt ist der Bau ein Zeichen für unsere Verbundenheit mit der Region und das Vertrauen in den Standort. 6 Millionen Euro Investment sind schon enorm, und wir sind froh, dass die Gruppe das so mit uns getragen hat. Ich bin sicher, dass sich diese Investition schnell auszahlen wird.
Apropos Investitionen: Seit Februar sind mit den LÜMOS drei Limonaden-Sorten aus dem Hause Lübzer in Handel und Gastronomie erhältlich. Wie kam es dazu?
Ich hatte vorhin schon auf den Erfolg unserer Biermischgetränke mit und besonders ohne Alkohol hingewiesen. Irgendwann stellt sich dann die Frage: Was machen wir jetzt mit dem Portfolio? Launchen wir eine weitere Sorte Naturradler, oder ist es vielleicht sinnvoller, noch einmal einen ganz anderen Schritt zu gehen?
Wir haben uns für Letzteres entschieden. Mit den Lübzer LÜMOS haben wir einen Artikel entwickelt, der attraktiv und regional ist und in die Welt passt.
Lübzer erschließt sich damit erstmals den Markt für alkoholfreie Softdrinks. Was war Ihnen besonders wichtig?
Priorität Eins war: Wir wollen eine natürliche Limonade anbieten. Und schmecken soll sie natürlich auch. Von rund 30 ersten Varianten haben uns und die Tester schlussendlich die drei LÜMO-Sorten Zitrone, Weißer Pfirsich und Rote Beere & Apfel am meisten überzeugt. Sie vereinen natürlichen Geschmack und einen hohen Fruchtgehalt bei lediglich so viel Zucker wie nötig – vegan und glutenfrei sind sie auch.
Produziert wird die neue Linie in Lübz?
Ja, Innovation entsteht bei uns direkt hier vor Ort, wo wir dafür beste Bedingungen haben. Seit jeher ist eine unserer Stärken, dass wir unsere Lübzer Biere mit dem guten, weichen Wasser aus vier eigenen Tiefbrunnen brauen.
Davon profitiert auch die Limonade. Denn nicht nur die Frucht, auch das Wasser ist entscheidend für den frischen und natürlichen Geschmack unserer LÜMOS.
Wie verlief die Markteinführung bisher?
Das Produkt an sich, Sorten, Namensgebung, Design, Abfüllung in kleine Glasklarflaschen: Im Entwicklungsprozess kamen viele Premieren zusammen. Nun passt aber alles, und die LÜMOS punkten als Artikel wie als Marke – klar im Geschmack, klar in der Darstellung.
Die ersten Eindrücke sind äußerst positiv. Gleich in den ersten Wochen nach Markteinführung wurden die LÜMOS stark nachgefragt. Die Displays im Handel finden rege Abnahme, und auch aus der Gastronomie erhalten wir durchweg positive Rückmeldungen.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unser „bescheidenes“ Ziel von 10.000 Hektolitern Abnahme schneller erreichen als gedacht. Das Team hat entlang der gesamten Supply Chain einen ganz tollen Job gemacht!

Foto: © Carlsberg Deutschland GmbH
Mit dem Einstieg in die Kategorie alkoholfreier Softgetränke sind sie außerdem Pionier innerhalb der Carlsberg-Gruppe in Deutschland.
Für den deutschen Zweig der Gruppe haben wir mit der Markteinführung der Limonaden im Februar tatsächlich den ersten Pflock eingeschlagen, der über das klassische Brauereigeschäft hinausgeht. Wir investieren bewusst in unseren Standort Lübz und gehen dabei gleichzeitig einen weiteren Schritt hin zu einem breiter aufgestellten, vielseitigen Getränkeportfolio bei Carlsberg Deutschland.
Teil des viertgrößten Brauereikonzerns der Welt, aber der Region und ihren Menschen eng verbunden: Wie machen Sie Lübzer erlebbar?
Zunächst einmal laden wir gerne zu uns ein. Unsere Brauereiführungen sind sehr beliebt: Jedes Jahr bieten unsere Braumeister um die 1.500 Gästen spannende Einblicke in unser Traditionshandwerk und den gesamten Herstellungsprozess der Lübzer Bierspezialitäten.
Eine Verkostung gehört selbstverständlich dazu, und nicht wenige nehmen sich neben flüssigen Andenken auch noch etwas „Handfesteres“ aus dem Lübzer Shop mit. Auch hier haben wir in den vergangenen Jahren das Sortiment erweitert. Ob Glas, Liegestuhl oder Mütze – die Möglichkeiten, seiner Begeisterung für die Marke Lübzer Ausdruck zu verleihen, sind vielfältig.
Wie zeigt die Lübzer Brauerei ihre Standortverbundenheit noch?
Es ist uns sehr wichtig, das Leben in der Region aktiv mitzugestalten und unseren Kunden damit etwas zurückzugeben. Wir sind Partner bei zahlreichen kulturellen Veranstaltungen und Projekten vor Ort und in Mecklenburg-Vorpommern. Schon erwähnt habe ich das Lübzer Turmvergnügen, wir sind aber beispielsweise schon seit 2014 auch Sponsor der Störtebeker Festspiele auf Rügen.
Über die Aktion „Gemeinsam für MV“ fördern wie lokale Vereine, Stiftungen, Initiativen oder Einzelpersonen, die sich mit ihren persönlichen „Leuchtturm-Projekten“ um unser schönes Bundesland verdient machen. Dieses Jahr sind wir zudem Gastgeber für die Verleihung des von der Ehrenamtsstiftung ausgelobten Ehrenamtspreises Mecklenburg-Vorpommern.
Wie sieht es im sportlichen Bereich aus?
Sichtbarster Ausdruck unseres Engagements im Sport ist sicher die langjährige Partnerschaft mit dem F.C. Hansa Rostock. Seit 1997 sind wir dem Verein verbunden, seit nunmehr 25 Jahren als Premiumpartner: Unser Lübzer Pils ist das offizielle Stadionbier bei allen Heimpartien in der „Kogge“.
Insgesamt ist aber auch unsere Sportförderung breit gefächert. Die 1. Herrenmannschaft unserer Heimatstadt Lübz unterstützen wir in der Landesliga ebenso wie die Volleyballerinnen des SSC Palmberg Schwerin und die Basketball-Herren der Rostock Seawolves in der jeweils 1. Liga.
Lübzer scheint immer in Bewegung …
Natürlich, das gilt in allen Bereichen des Geschäfts. Im insgesamt angespannten Markt sind wir kontinuierlich gefordert, uns strategisch weiterzuentwickeln und Tradition mit Moderne zu verbinden.
Jedes vierte Bier verkaufen wir mittlerweile alkoholarm oder alkoholfrei, die Marke hat sich in den letzten Jahren deutlich verjüngt. Mit unseren LÜMOS betreten wir nun ein weiteres Mal voller Optimismus und Tatendrang Neuland – ohne unsere Herkunft zu vernachlässigen.
Vielen Dank!
Der gebürtige Schweriner und jetzige Rostocker Bastian Pochstein
ist seit Mitte 2018 Geschäftsführer der Mecklenburgischen Brauerei Lübz GmbH.
Ein Jahr zuvor wechselte er von der Spirituosen-Marke Jägermeister zur Carlsberg-Gruppe
und arbeitete sich zunächst als Verkaufsdirektor Nordost in die Abläufe bei Lübzer ein.
Erfahrung im nichtalkoholischen Bereich bringt Pochstein ebenfalls mit:
Mehr als zwölf Jahre war er für den Energydrink-Hersteller Red Bull tätig.
Foto: © Carlsberg Deutschland GmbH
INFO:
Seit 1877 wird in Lübz Bier gebraut. Heute ist die Mecklenburgische Brauerei Lübz GmbH einer der führenden Brauereistandorte in Norddeutschland und Arbeitgeberin von rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Zur Lübzer Markenfamilie zählen neben dem Flaggschiff Lübzer Pils die Sorten Küsten Hell, 0,0 % Alkoholfrei, Export, Urkraft, Bock und Schwarzbier sowie die Naturradler-Sorten Grapefruit, Zitrone und Rhabarber – jeweils auch erhältlich als alkoholfreie 0,0-%-Varianten. Vor kurzem erweiterte die Brauerei ihr Sortiment um eine eigene Limonade.
Lübzer ist seit 2004 Teil der Carlsberg Deutschland-Gruppe.
TITELFOTO: © Carlsberg Deutschland GmbH | BILDLEGENDE: Bastian Pochstein und Marleen Hoyer (Senior Brand Managerin) bei der Erstabfüllung der Lübzer LÜMO.















