
Mut zur Würze | Vom Zauber der Aromen
Es wird kälter draußen, der Winter ist da, und es duftet nach Zimt, Sternanis und Kardamom. Kaum eine Zeit verbinden wir so sehr mit Gewürzen wie die Weihnachtszeit. „Gewürzliebe“ inspiriert dazu, unterschiedlichste Aromen kreativ einzusetzen – das ganze Jahr über, zu jedem Anlass und in jeder Mahlzeit.
Ganz hinten im Gewürzregal?
Kardamom – gekauft für ein Plätzchen-Rezept –, Koriandersamen – gekauft für eine Karottensuppe –, Sumach – gekauft für eine Hummus-Variante. Alles sehr lecker, aber in der Alltagsküche finden die erstandenen Gewürze oft kaum weitere Verwendung.
Viel zu schade, finden Esther Clark und Rachel Walker, und entführen in eine faszinierende Welt voller Duft, Farbe und Geschmack. „Mit Gewürzen zu kochen ist keine Alchemie“, betonen die Autorinnen.
Und die beiden Londonerinnen wissen, wovon sie sprechen: Esther Clark ist renommierte Kochbuchautorin, Foodstylistin und Redakteurin. Sie zeichnet insbesondere für die abwechslungsreichen Rezepte in „Gewürzliebe“ verantwortlich, während Rachel Walker als Gründerin und Inhaberin der Firma Rooted Spices ihre Fachkenntnis mit dem Lesepublikum teilt.
Foto: © Matt Russell
Gewusst wie …
Zusammen bilden sie ein Dreamteam, dessen Begeisterung für die Würzwelt überspringt. Indem Esther Clark und Rachel Walker das Thema von Grund auf angehen, vermitteln sie mit „Gewürzliebe“ einen Zugang zu den nach ihrer Erfahrung in der modernen Küche wichtigsten Gewürzen und Gewürzmischungen.
Wie sie diese ausgewählt haben, wie man Gewürze allgemein am besten einkauft, sie lagert (kühl und dunkel), dabei das
„Nach-hinten-ins-Regal“-Syndrom vermeidet, und wie Gewürze beim Kochen ihr intensivstes Aroma entfalten, beschreiben sie im Kapitel „Grundlagen“.
Gewürze im Porträt
Theorie ist langweilig? Nicht in der „Gewürzliebe“, denn auch die in die Tiefe gehende Warenkunde überzeugt für jedes einzelne Gewürz mit spannenden Details zur Geschichte, Herkunft und Verbreitung, mit „Kaufhilfen“ und kurzen, prägnanten Ergänzungen der Kategorie „Schon gewusst?“: Schon gewusst, dass man die früheste Form des Bieres im dritten Jahrtausend vor Christus mit Koriander aromatisierte?
Die Gewürzauswahl reicht von Piment bis Zaatar. Die Sortierung mag zunächst willkürlich anmuten, dennoch sind die Gewürze alphabetisch geordnet – aber nach ihren englischen Bezeichnungen (Piment = Allspice). Das ist für die deutsche Ausgabe des Buches einerseits unglücklich. Andererseits lädt es ein, Gewürze und Geschichten neu zu entdecken, sei es den Aufstieg und Fall der Muskatnuss oder die japanische Gewürzmischung Shichimi Togarashi.
Das „Sieben-Gewürze-Pulver“ verleiht traditionell japanischen Rezepten wie Ramen, Udon-Nudeln und Reisgerichten ihr Aroma, kann aber mit seiner leicht prickelnden Schärfe auch dem amerikanischen Klassiker Mac and Cheese einen würzigen Extra-Kick verleihen – Esther Clark und Rachel Walker kombinieren dazu außerdem Krebsfleisch.
Foto: © lana / stock.adobe.com
Mehr als Salz in der Suppe
Sie wissen: „Nie zuvor hatten wir den Luxus so vieler Zutaten und das Privileg, so viele globale Aromen zu genießen.“ Und: „Das Schlüsselwort lautet experimentieren.“ Dabei ist es egal, was, wann und wie aufwändig man kocht. Alle Rezepte des Buches, aufgeteilt in die Kapitel „Frühstück & Brunch“, „Einfache Abendessen“, „Köstliches fürs Wochenende“, „Beilagen & Snacks“ und „Süßes & Gebäck“, bieten das gewisse (Würz-)Extra. Matt Russells anregende Fotografien fangen die moderne, internationale Küche perfekt ein und lassen die Aromawelten der Gewürze und Gerichte lebendig werden.
In einer äußerst gelungenen Mischung aus Theorie und Praxis durchstöbern Esther Clark und Rachel Walker das moderne Gewürzregal (Originaltitel „The Modern Spice Rack“) und bringen geballtes Gewürzwissen auf den Punkt – „aus keinem anderen Grund als der puren Lust am Genuss“.
TITELFOTO: © Matt Russell | BILDLEGENDE: Bringen Würze in die Küche: Rachel Walker (links) und Esther Clark















